Fahne

  • 1974
  • Spielzeugeisenbahn, Lokomotive ohne Gehäuse, rote Fahne, in Pappkarton
    44 x 35 x 4 cm [nicht abgebildet]
  • Auflage: 12 + III, signiert und nummeriert, gestempelt + 1 Exemplar nicht nummeriert
  • Herausgeber: Edition Schellmann, München
  • Werkverzeichnis Nr. 137

Das Multiple besteht aus einer elektrischen Spielzeugeisenbahn, auf deren Lokomotive eine kleine rote Fahne befestigt ist. Die Arbeit entstand in Zusammenhang mit Beuys’ Interesse an der Transsibirischen Eisenbahn. Diese wichtigste Verkehrsachse Russlands verbindet auf einer Länge von mehr als 9000 Kilometern Moskau mit dem Pazifik. Für Beuys stand die Transsibirische Bahn für die Idee des Eurasiers, der eine Vereinigung zwischen dem rationalistisch und materiell ausgerichteten Westen und dem intuitiv und spirituell geprägten Osten darstellt. Diese Thematik hat Beuys intensiv beschäftigt und Eingang in viele seiner Aktionen und Werke gefunden, weil er in einer solchen Verbindung die wesentliche Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung einer humanen Gesellschaft sah. 

Als Zeichen für diesen Aufbruch fungiert der Zug, den Beuys als Hommage an die russischen Revolutionszüge der Sowjet-Ära konzipierte, die mit einer roten Fahne ausgestattet waren. Über die rote Fahne in seinem Multiple äußerte Beuys. Sie waren mit einer roten Fahne ausgestattet, über die Beuys äußerte: „Die rote Fahne meint nicht die des realen Sozialismus, sondern weist auf einen zukünftigen humanen Sozialismus hin; daher die dreieckige Form“.1 In ihr werden die wichtigsten Ideale des Sozialismus – Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – anschaulich.2 Demnach soll hier nicht die Vergangenheit des Kommunismus verklärt, sondern eine Vision für die Zukunft entwickelt werden.


  1. Jörg Schellmann (Hrsg.), Joseph Beuys: Die Multiples, München, New York 1997, S. 449. 

  2. Zu Beuys’ dreiteiligem Schema, wie ein zukünftiger Sozialismus zu erreichen wäre, vgl. Volker Harlan, Rainer Rappmann, Peter Schatz, Soziale Plastik: Materialien zu Joseph Beuys, Achberg 1984, S. 12–13. 

    Foto 1

    © Mario Gastinger, Photographics, München

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967