Capri-Batterie

  • 1985
  • Glühlampe mit Steckerfassung, in Holzkiste, Zitrone
    8 x 11 x 6 cm
  • Auflage: 200 + einige a. p., signiert und nummeriert auf Zertifikat
  • Herausgeber: Edizioni Lucio Amelio, Neapel
  • Werkverzeichnis Nr. 546

Beuys konzipierte die Capri-Batterie während eines Aufenthaltes auf der italienischen Insel Capri, wo sein neapolitanischer Galerist Lucio Amelio eine Villa besaß. Trotz ihres erheiternden Erscheinungsbildes darf nicht übersehen werden, dass diese Verknüpfung einer Zitrone mit einer Glühbirne eine ernstzunehmende ökologische Aussage besitzt. Indem die Zitrone als Energiequelle für die gelbe Glühbirne auftritt, verdeutlicht Beuys die Tatsache, dass sämtliche Formen von Energie aus der Natur bezogen werden. Da die natürlichen Ressourcen aber begrenzt sind, muss entsprechend sorgsam mit ihnen umgegangen werden. 

Beuys hat mehrere Werke geschaffen, in denen der Batteriegedanke auftaucht. Meistens hat er dafür Stapel von Filz und Kupfer verwendet. Im Zusammenhang mit seiner plastischen Theorie fungieren diese Materialien als Speicher und Überträger geistiger Wärme, einer Energie, die er als Katalysator für Veränderung und Kreativität ansah. Bei der Capri-Batterie setzte er allerdings neue Mittel ein, um nunmehr eine ökologische Vorstellung zu transportieren. Diese Veränderung spiegelt sein wachsendes Interesse an der grünen Politik wider, die in den späten 1970er Jahren in den Vordergrund seines Werks trat.1 Die beiden Bestandteile der Capri-Batterie besitzen dieselbe Größe, Form und Farbe. Dadurch entsteht ein perfektes Gleichgewicht, das suggeriert, dass in der modernen Welt eine Balance zwischen den endlichen Ressourcen der Natur und den Erfordernissen technologischer Entwicklungen hergestellt werden kann.

Einige Monate später entwickelte Beuys aus der Skulptur das gleichnamige Multiple, zu dem eine kleine Holzkiste gehört. Auf deren Seite ist folgende knappe Gebrauchsanweisung gedruckt: „Nach 1000 Stunden Batterie auswechseln“. In einem seiner letzten Multiples thematisiert Beuys demnach nicht nur einen notwendigen Ausgleich zwischen Natur und Technik und verweist auf die wichtige Rolle natürlicher Ressourcen, er vermittelt dem Betrachter durch die Gebrauchsanweisung auch, dass er selbst aktiv werden muss, um den Energiefluss, durch den Veränderung erst möglich wird, am Leben zu halten.


  1. Näheres über Beuys’ Rolle bei der Gründung der Partei der Grünen findet sich beispielsweise in Susanna Anna (Hrsg.), Joseph Beuys, Düsseldorf, Ostfildern 2008, S. 168–191. 

    Foto 1

    © Sibylle Forster, München

    Das Orwell-Bein — Hose für das 21. Jahrhundert1984 aus „3-Tonnen-Edition” 1973–1985