Rose für Direkte Demokratie

  • 1973
  • Messzylinder aus Glas, mit Schriftzug, 33,5 cm x 5 cm im Durchmesser
    Zertifikat (nicht ausgestellt) auf bedrucktem Briefbogen, 29,5 x 21 cm
  • Auflage: Unlimitiert, Exemplare 1–440 signiert und nummeriert auf Zertifikat, mit handschriftlichem Zusatz „Rose“, gestempelt; ab Exemplar 441 Faksimile-Zertifikat
  • Herausgeber: Edition Staeck, Heidelberg
  • Werkverzeichnis Nr. 71

Auf der documenta 5 in Kassel richtete Beuys 1972 für die gesamte Dauer der Ausstellung – 100 Tage also – sein „Büro für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ ein, in dem er mit Besuchern über seine Ideen diskutierte, wie die Gesellschaft durch kreatives Handeln verändert werden könnte. Bei allem revolutionären Impetus, den seine Konzepte hatten, distanzierte er sich dabei nachdrücklich von Gruppierungen wie der RAF (Rote Armee Fraktion) in West-Deutschland oder den Roten Brigaden (Brigade Rosse, BR) in Italien, die ihren Anspruch auf gesellschaftliche Veränderung mit gewalttätigen Mitteln durchzusetzen versuchten.1 Demgegenüber setzte sich Beuys für einen friedlichen Weg ein, über den der gesellschaftliche Fortschritt als Entwicklungsprozess verlaufen solle.

Auf dem Schreibtisch in Beuys’ Kassler „Büro für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ stand eine schmale Glasvase mit einer Rose, die jeden Tag ersetzt wurde. Auf diesem Arrangement basiert das Multiple Rose für Direkte Demokratie, nur dass die Vase hier durch einen Messzylinder aus Glas ersetzt wurde, auf den der Titel der Arbeit geschrieben ist. Wie eine Spirale windet er sich nach oben und verweist damit nicht nur auf das Wachstum der Pflanze, sondern führt auch den evolutionären Aspekt vor Augen, den Beuys mit den angestrebten gesellschaftlichen Prozessen verband. Insbesondere die Rosenblätter erschienen ihm als Symbol dieser Entwicklung. Gegenüber Caroline Tisdall äußerte er: „Knospe und Blüte sind tatsächlich umgewandelte grüne Blätter. Im Verhältnis zu den Blättern und dem Stiel bedeutet die Blüte also eine Revolution, die sich aber ganz langsam durch Transformation und Evolution vollzieht.“2

Ohne_die_Rose_2

Ohne die Rose tun wir’s nicht, 1972
 
Farboffset auf Karton, mit handschriftlichem Text
80 x 55,8 cm
Auflage: 80 + XX, signiert und nummeriert
Herausgeber: Edition Staeck, Heidelberg
Photo: © Mario Gastinger, Photographics, München

  1. Dass er die Gewalt der RAF ablehnte, machte Beuys auf der documenta 5 in einer Installation mit zwei Schildern deutlich, die den Text trugen „Dürer, ich führe persönlich Baader + Meinhof durch die documenta 5“. Wie er später ausführte, zielte die Arbeit darauf ab, Andreas Baader und Ulrike Meinhof, den Köpfen der RAF, ein weiter gefasstes Konzept von Freiheit nahezubringen. Beuys in Caroline Tisdall, Joseph Beuys, London 1979, S. 274. 

  2. Caroline Tisdall, Joseph Beuys, London 1979, S. 275.   

    Foto 1

    © H. Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967