Joseph Beuys. Aufruf zur Alternative.

Dieses doppelseitige Plakat auf Zeitungspapier wurde von der Free International University produziert, einer freien Hochschule, die Beuys gemeinsam mit Klaus Staeck, Georg Meistermann und Willi Bongard 1973 in Düsseldorf gegründet hatte. Auf der Vorderseite trägt es mit dem Schriftzug „Aufruf zur Alternative“ den Titel eines Manifests, das Beuys am 23. Dezember 1978 in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht hat. Auf der Rückseite befindet sich der Text dieses Manifests, in dem Beuys seine Vision einer neuen Gesellschaft skizziert. Die bestehenden Systeme des Kapitalismus und des Kommunismus sieht er als gescheitert an („Kapitalismus und Kommunismus haben die Menschheit in eine Sackgasse geführt“) und schlägt einen dritten Weg vor, der vom Menschen ausgeht und neue Modelle für die Arbeit, die Produktion und das Finanzsystem vorsieht. Über eine gewaltfreie Transformation soll die Selbstverwaltung in Wirtschaft und Kultur zur demokratischen „Basiseinheit einer nachkapitalistischen und nachkommunistischen neuen Gesellschaft des realen Sozialismus“ werden. 

Die Arbeit wurde nicht als Multiple konzipiert, trägt aber Beuys’ Namen und Signatur und fungiert als massenproduziertes Plakat, das der Verbreitung seiner Ideen dient. In dieser Funktion weist der Aufruf zur Alternative ähnliche Charakteristika wie seine Multiples auf und gehört insofern in einem weiteren Sinne zur Geschichte seiner Arbeit mit Auflagenobjekten.1 


  1. Überlegungen zur Rolle von Beuys’ Plakaten und ihr bisweilen problematisches Verhältnis zu seinen offiziellen Multiples finden sich bei Isabel Siben (Hrsg.), Joseph Beuys – Plakate / Joseph Beuys – Posters, München 2004.   

    Fotos 1, 2

    © H. Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967