hier Ende der Implosion

  • 1973
  • Holzkeil mit Bleistiftzeichnung
    22,5 x 31,5 x 14,5 cm
  • Auflage: Unlimitiert, nur 120 ausgeführt, signiert und nummeriert
  • Herausgeber: Edition Staeck, Heidelberg
  • Werkverzeichnis Nr. 121

Auffällig ist bei diesem steil abfallenden Holzkeil die schlichte und sparsame Formensprache. Auf der Oberseite hat Beuys mit Bleistift einen schmalen Pfeil gezogen, der schräg nach unten zur Schmalseite des Keils verläuft. Auf die Seitenfläche des Keils hat Beuys dort, wo der Pfeil beginnt, das Symbol für Unendlichkeit gesetzt und oberhalb des Pfeils den Satz „hier Ende der Implosion“ geschrieben. Zusammen ergeben diese Motive ein Diagramm, in dem Beuys’ Verständnis von der Verbindung zwischen Geist und Materie anschaulich wird. 

Unter geistiger Energie verstand Beuys eine immaterielle formlose Kraft, die in die Materie eindringen und sie beleben kann. In ihrem ursprünglichen Zustand ist sie unendlich.1 Das Eindringen in die Materie setzt demzufolge einen massiven Verdichtungsprozess voraus. Diese dramatische Verdichtung – eine Implosion – wird, so Dierk Stemmler, durch den Pfeil signalisiert, der von der breitesten Stelle des Keils zu dessen schmaler Vorderkante verläuft.2 Die Tatsache, dass die Oberfläche des Holzkeils eine so lebendige Maserung aufweist, unterstützt noch den Eindruck, den Beuys offenbar vermitteln wollte – dass nämlich dieser massive Block von geistiger Energie durchzogen ist.


  1. H. P. Riegel merkt an, dass Rudolf Steiner das Symbol für Unendlichkeit benutzte, um den Kreislauf geistiger Energie zu beschreiben. Bei Beuys könnte ihm eine ähnliche Bedeutung zukommen. Vgl. H. P. Riegel, Beuys: Die Biographie, Berlin 2013, S. 142. 

  2. Dierk Stemmler, Zu den Multiples von Joseph Beuys, in: Jörg Schellmann (Hrsg.), Joseph Beuys. Die Multiples, München, New York 1997, S. 512. 

    Foto 1

    © Mario Gastinger, Photographics, München

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967