Gespräch

  • 1974
  • Bleistiftzeichnung auf Seite 5 des Buchs Joseph Beuys – Zeichnungen I, 1947–1959
    Buch: 35,7 x 27,2 cm
  • Auflage: 40 geplant, nur ca. 25 hergestellt, signiert, Buch nummeriert
  • Herausgeber: Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
  • Werkverzeichnis 142A

In dieser Zeichnung ist ein Schlüsselmotiv in Beuys’ Kunst dargestellt – der Stab oder Wanderstab, den er als Mittel für den Energiefluss, als einen Energieleiter also versteht. Indem er einen solchen Stab als Verbindungsstück zwischen einer Energiequelle und einem Empfänger verwendet, können zwei Pole miteinander in Kontakt treten. In einem Gespräch mit Caroline Tisdall erläuterte er dazu, dass der Stab oder Wanderstab beispielsweise als Bild für eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Geist und Materie verstanden werden kann.1

Gespräch ist eine von zwei Zeichnungen, die Beuys als Unikate in einen Ausstellungskatalog seiner Zeichnungen gemacht hat. Sie zeigt die Konturen zweier sich überschneidender Gegenstände – eines kopfüber auf dem Boden stehenden gebogenen Griffs eines Wanderstabs und eines zerbrochenen Steins. Die Verschränkung lässt eine etwas verwirrende Form entstehen, bei der sich der Wanderstab so in den Stein gebohrt zu haben scheint, dass er in ihm „geerdet“ erscheint. Am oberen Ende des Blattes streckt sich der Stab hingegen nach oben in die Luft oder den offenen Raum. Mit so einem Bild möchte Beuys das Fließen geistiger Energie evozieren, die vom Himmel zur Erde strömt. Im Gespräch mit Caroline Tisdall betonte Beuys diesen Aspekt und wies darauf hin, dass der gebogene Griff des Stabs deshalb auf dem Boden platziert worden wäre, um die Richtung der Kraft zum Ausdruck zu bringen, die von oben auf die Erde käme – „Geist und Materie …“.2


  1. „Joseph Beuys im Gespräch mit Caroline Tisdall, 1974“, in: The Secret Block for a Secret Person in Ireland, Tübingen 1988, S. 50. 

  2. Ebda., S. 48. 

    Photo 1

    © Mario Gastinger, Photographics, München

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967