Enterprise 18.11.72, 18:5:16 Uhr

  • 1973
  • Zinkkiste mit Deckel, Fotografie, Fotoapparat, Filz
    41 x 30,5 x 15,5 cm
  • Auflage: 24 + V, signiert und nummeriert + 2 Proben, nicht nummeriert
  • Herausgeber: Edition Hundertmark, Berlin
  • Werkverzeichnis Nr. 72

Beuys verband zahlreiche Hoffnungen mit der zukünftigen Entwicklung der Menschheit. Zu diesen Zukunftsperspektiven zählte auch die Vorstellung, die Menschen würden das Leben auf der Erde hinter sich lassen und zu anderen Planeten aufbrechen.1 Diese Faszination für eine zukünftige Existenz als Außerirdische kommt in dem Multiple Enterprise 18.11.72, 18:5:16 Uhr zum Ausdruck. Es besteht aus einer Zinkkiste mit einem Fotoapparat und einem Foto des Fotografen Michael Ruetz, das im zugehörigen Deckel der Kiste befestigt ist. Es gewährt Einblick in das Privatleben des Künstlers und zeigt ihn, wie er mit seiner Familie in der Düsseldorfer Wohnung die Science-Fiction-Serie Raumschiff Enterprise anschaut.

Beuys erkannte im Fernsehen durchaus das Potenzial, als Vermittler künstlerischer Ideen zu fungieren.2 Dennoch überwog eine eher skeptische Haltung gegenüber dem Fernsehen, was in seiner Aktion Filz-TV von 1966 deutlich wurde, wo er den Bildschirm eines laufenden Fernsehers mit einer Filzscheibe vollständig verdeckte und mit Boxhandschuhen auf sich selbst einschlug. Er erläuterte dazu: „Der Sinn ist, daß ich die Informationen, die aus solchen Medien herauskommen, wegfiltere. Ich bin selbst die Information über die Tragödie, über das ‚Event‘ oder über diese Aggressivität, die ja dieses Medium sehr oft hat, also das wird durch mich selbst erledigt. Das heißt, der Zuschauer selber ist sehr viel wichtiger als alles, was aus der Kiste kommt.“3 In dieselbe Richtung weist das Multiple Enterprise 18.11.72, 18:5:16 Uhr, in dem die Linse des Fotoapparats durch Filz ersetzt wurde. Wichtig werden damit auch hier die Zuschauer – und die sind auf dem zugehörigen Foto zu sehen.


  1. So äußerte Beuys zu Robert Filiou: „(…) der Mensch ist keinesfalls ein irdisches Wesen. Er ist in keiner Weise für die Lebensbedingungen hier unten geschaffen. (…) Vielleicht wird er eines Tages auf einem anderen Planeten leben; unter anderen Bedingungen und in einer anderen Art von Körper.“ In: „Begegnung mit Robert Filliou“, in: Robert Filliou, Lehren und Lernen als Aufführungskünste, Köln 1970. Eine ähnliche Äußerung von Beuys findet sich bei Caroline Tisdall, Joseph Beuys, London 1979, S. 36. 

  2. Anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung von André Masson im Museum am Ostwall in Dortmund fand im April 1970 ein Gespräch zwischen Joseph Beuys und Willy Brandt statt. Darin schlug Beuys vor, dass Künstlern einmal im Monat die Möglichkeit gegeben werden müsse, ihre Ideen im Fernsehen zu vermitteln. Vgl. Götz Adriani, Winfried Konnertz, Karin Thomas, Joseph Beuys. Leben und Werk, Köln 1994, S. 125–126. 

  3. Beuys in Wulf Herzogenrath (Hrsg.), Videokunst in Deutschland, 1963–1982: Videobänder, Videoinstallationen, Video-Objekte, Videoperformances, Fotografien, Ostfildern-Ruit 1982, S. 95. 

    Foto 1

    © H. Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967