Die Leute sind ganz prima in Foggia

Die Leute sind ganz prima in Foggia ist ein Künstlerbuch, das Einblicke in Beuys’ politisches Wirken innerhalb seiner Kunst gibt. Es spannt einen Bogen von den frühen 1960er Jahren, in denen Beuys in der Fluxus-Bewegung aktiv war, bis in die mittleren 1970 Jahre und versammelt zahlreiche Projekte, die auf den ersten Blick disparat erscheinen, in ihrer Gesamtheit aber die Kontinuitäten in Beuys’ künstlerischer Praxis dieser Jahre zu erkennen geben.

Auf jeder Seite klebt ein Papierstreifen, der in Schreibmaschineschrift Notizen über eine Aktion von Beuys enthält. Den Anfang macht Der Chef von 1964, am Ende der nicht chronologisch aufgeführten Reihe steht die Aktion Vakuum↔Masse von 1968. Während dieser Phase stand Beuys in engem Kontakt zu den Künstlern der Fluxus-Bewegung, die sich unter anderem für eine gerechtere Gesellschaft im Sinne des Sozialismus einsetzten. Auf den letzten beiden Seiten des Buchs widmet sich Beuys den frühen 1970er Jahren. Zu diesem Zeitpunkt weitete er sein politisches Engagement über den Galerieraum hinaus aus, indem er sich für verschiedene basisdemokratische Organisationen stark machte. So findet sich auf der vorletzten Seite von Die Leute sind ganz prima in Foggia der Briefkopf der „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“, zu deren Mitbegründern Beuys 1971 zählte. Sie basierte auf der Überzeugung, dass eine funktionierende Demokratie nur über die Gestaltung durch eine Mehrheit funktionieren könne. Das Buch endet auf der letzten Seite mit den Worten „DIE FÜNFTE INTERNATIONALE“, mit denen auf eine Weiterführung der sozialistischen Weltrevolution verwiesen wird.

Der Titel Die Leute sind ganz prima in Foggia scheint auf den ersten Blick nicht viel mit dem Inhalt des Buches zu tun zu haben. Er bezieht sich auf den kleinen Ort Foggia in Italien, in dem sich Beuys während des Zweiten Weltkriegs häufiger aufhielt. Seine Begeisterung für die traditionelle Landwirtschaft, die er hier vorfand, führte Anfang der 1970er Jahre zu seinem Engagement für das ökologisch geprägte Projekt Difesa della Natura (Verteidigung der Natur) in der Stadt Bolognano in den südlichen Abruzzen, bei dem er unter anderem zahlreiche Sträucher und Bäume anpflanzte, die vom Aussterben bedroht waren, und in Vorträgen über vormoderne Methoden der Landwirtschaft informierte. Dieses von ihm konzipierte und initiierte Projekt wurde auf lokaler Ebene in eine Bewegung umgesetzt, die den Prinzipien des freien demokratischen Sozialismus folgte.1 Indem Beuys das Buch nach dem Ort seiner frühen Italienerfahrung betitelte, spannt er einen biografischen Bogen, der bis in die 1940er Jahre zurückreicht, und unterstreicht damit das Moment der künstlerischen Kontinuität in seinem Werk.


  1. Ein Überblick über das Projekt Difesa della Natura findet sich bei Ilaria Apostoli, „Bolognano. Zufluchtsort für eine Utopie der Kunst“, in: Lucrezia De Dominicio Durini (Hrsg.), Beuys Voice, Mailand 2011, S. 382. 

    Fotos 1–5

    © H. Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967