Schottische Symphonie/Requiem of Art

  • 1973
  • Zwei Langspielplatten im Doppelalbum
    31,5 x 31,5 cm
  • Auflage: 500, nummeriert, nicht signiert
  • Herausgeber: Edition Schellmann, München
  • Werkverzeichnis Nr. 83

Auf der Doppel-LP Schottische Symphonie/Requiem of Art sind zwei Musikstücke, die Beuys in seiner Aktion Celtic (Kinloch Rannoch) Schottische Symphonie verwendet hat, die 1970 in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Henning Christiansen in Edinburgh aufgeführt wurde.

Das erste Stück mit dem Titel Schottische Symphonie besteht aus Klängen und kurzen melodischen Passagen, die beim Stimmen des Klaviers mit allen Hintergrundgeräuschen vor der Aktion aufgenommen wurden. Diese zwei unterschiedlichen akustischen Ebenen bilden eine abstrakte Klangkomposition, wie Beuys sie häufiger – meist unter Zuhilfenahme seiner eigenen Stimme – in seinem Werk verwendet hat. Dies gilt auch für die komplex angelegte Aktion Celtic (Kinloch Rannoch) Schottische Symphonie, in deren Rahmen er unter anderem in rhythmischen Abständen Kehllaute und Schreie ausstieß, die keine verständlichen Begriffe enthielten, die Zuschauer durch ihre Intensität aber in Bann zogen. Hier lassen sich Bezüge zur Sprach- beziehungsweise Lauteurythmie Rudolf Steiners herstellen, mit der dieser die Vorstellung verknüpfte, starre Sprachstrukturen aufzubrechen, um die ursprüngliche Ausdrucksfähigkeit der menschlichen Stimme wiederherzustellen.

Das zweite Stück auf der LP, Requiem of Art, op. 50, fluxorum organum II, ist eine Komposition von Henning Christiansen. Sie dauert 36 Minuten und vereint in sechs Sätzen abstrakte Klänge, Orgelmusik sowie verschiedene Hintergrundgeräusche, unter anderem ein Flugzeug und Hammerschläge auf einer metallenen Oberfläche. Anders als bei der Schottischen Symphonie spielt hier auch Sprechgesang eine wichtige Rolle. An zwei Stellen spricht eine Frau über eine Moorleiche, einen mumifizierten Körper aus der Urzeit, wie er noch manchmal in den Sümpfen Nordeuropas gefunden wird. Im Moor sah Beuys Leben und Vergangenheit gespeichert.1 Zudem verband er mit den geistigen Traditionen keltischer Länder die Hoffnung auf ein erweitertes Christentum, was in der Aktion Celtic wie auch den Multiples Celtic + ∿∿∿∿ von 1971 und für Fußwaschung von 1977 durch zahlreiche Bezüge auf christliche und keltische Traditionen zum Ausdruck kommt.


  1. Gegenüber Caroline Tisdall hat Beuys geäußert: „Moore sind die lebendigsten Teile der europäischen Landschaft (…), als Vorratskammern von Leben, Mysterium und chemischer Verwandlung, vergangene Geschichte konservierend.“ Caroline Tisdall, Joseph Beuys, Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1979, S. 39. 

    Foto 1

    © H. Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967