Samurai-Schwert

  • 1982
  • Filzrolle um Stahlklinge
    Durchmesser 54 x 9 cm
  • Auflage: 30 + X, signiert, nummeriert und betitelt auf Etikett
  • Herausgeber: Vice-Versand, Remscheid
  • Werkverzeichnis Nr. 467

Diese verblüffend simple Zusammenstellung aus einer scharfen Stahlklinge und einem Stück weichen grauen Filz evoziert verschiedene Gegensätze: Stahl ist starr, scharf und kalt, Filz dagegen weich, warm und formbar. Diese Eigenschaften verbinden sich in Beuys’ Denken mit weiteren Kontrasten: Filz steht für das weibliche, Stahl für das männliche Prinzip.1 Daraus lässt sich unschwer schließen, dass die Verbindung zwischen diesen beiden Materialien für eine Verbindung zwischen den Geschlechtern steht.

Der Titel Samurai-Schwert lenkt den Blick allerdings noch auf einen weiteren, weniger offensichtlichen Gegensatz: Seit den mittleren 1960er Jahren hat Beuys das Samurai-Schwert als Symbol für die Kultur des Ostens verwendet. Häufig tauchte das Schwert dabei in der Gestalt einer Blutwurst auf und wurde so zu einem Mischobjekt mit Bezügen zur asiatischen Kampfkultur und zu einem europäischen Lebensmittel. In dieser Verschmelzung steckt Beuys’ Eurasia-Gedanke – seine Vorstellung einer Verbindung zwischen der europäischen und der asiatischen Gesellschaft, in der das rationalistische und materialistische Denken Europas in der intuitiven und geistig geprägten Lebensweise Asiens aufgehoben werden soll. Da Beuys’ asiatisches Schwert in Samurai-Schwert aus europäischem Stahl besteht, wird hier eine ähnliche Verschmelzung beider Kulturen anschaulich. Im Gegensatz zu früheren Arbeiten tritt das Schwert jetzt aber nicht mehr in Gestalt einer Blutwurst auf, sondern unmittelbar als eine scharfe Klinge, die in eine Filzrolle gewickelt ist. 

Mit dieser simplen Geste, Filz um eine Klinge zu wickeln, verschränkt Beuys also gleich mehrere Gegensatzpaare. Schnörkellos und elegant bringt das Samurai-Schwert damit ein zentrales Thema von Beuys’ Kunst zum Ausdruck: Das Bemühen, einander entgegengesetzte Kräfte, Bereiche und Eigenschaften in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen.


  1. Zu den geschlechtsspezifischen Aspekten harter und weicher Materialien in Beuys’ Werk, vgl. Caroline Tisdall, Joseph Beuys, London 1979, S. 26, S. 74 und S. 239 

    Foto 1

    © Mario Gastinger, Photographics, München

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967