ELEMENT

  • 1982
  • Kupferplatte und Eisenplatte
    je 31,5 x 44 x 1 cm
  • Auflage: 50 + X + 4 a. p., signiert, nummeriert und betitelt
  • Herausgeber: Edizione Factotum-Art, Verona
  • Werkverzeichnis Nr. 465

Dieses 1982 entstandene Multiple besteht aus zwei eingeschnittenen, rechteckigen Metallplatten in identischer Größe. Sie können übereinander gelegt und damit zu einem einzelnen, dickeren Block vereint werden. Für eine solche Verbindung aus zwei entgegengesetzten Eigenschaften, die in einem größeren Ganzen verschmelzen, hat Beuys den Begriff „Element“ benutzt. Zum ersten Mal tauchte er 1966 in der Aktion MANRESA auf, wo er sich als „ELEMENT 1“ auf ein anfangs unvollständiges, mit Filz bedecktes Holzkreuz bezog, dem der linke Arm fehlte, den Beuys im Zuge der Aktion durch eine Kreidezeichnung wieder ergänzte. Mit „ELEMENT 2“ wurde eine Holzkiste bezeichnet, in der sich allerlei Gerätschaften befanden, vorwiegend technischer Natur. Sie bildeten eine eher mechanistisch-physikalische Erfahrung, der der spirituelle Gehalt des vervollständigten Kreuzes gegenübergestellt wurde. Durch Beuys’ Handlungen innerhalb der Aktion wurden diese beiden gegensätzlichen Kräfte – Geist und Materie – miteinander verknüpft, um ein zukunftsträchtiges drittes Element zu bilden.1 

Im Multiple Element vollzieht sich eine vergleichbare Verknüpfung zweier gegensätzlicher Eigenschaften, die zu einer neuen Einheit führt. Mit Kupfer verband Beuys die Vorstellung von Intuition und Kreativität, die er eher in der weiblichen Sphäre angesiedelt sah. Eisen hingegen stand für ihn für das starre und rationale Denken des männlichen Prinzips.2 Die weiblichen Eigenschaften spielten aus seiner Sicht in der Gesellschaft eine zu geringe Rolle, weshalb er sie entsprechend unterstützte. Dennoch wollte er dadurch nicht die männlichen Eigenschaften verdrängen, sondern über einen Ausgleich der Gegensätze die Stärken beider Bereiche miteinander vereinen. In diesem ganzheitlichen Sinne sind auch die Platten in ELEMENT verbunden.


  1. Vgl. hierzu die Analyse von Uwe M. Schneede in Joseph Beuys: Die Aktionen, Ostfildern-Ruit 1994, S. 151–153. 

  2. Vgl. hierzu Caroline Tisdall, Joseph Beuys, London 1979, S. 28, 134 und 239. 

    Fotos 1–2

    © H. Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

    Mönchengladbach Museum Catalogue 1967