Klaus Staeck, Edition Staeck, Heidelberg (1968–1972: Edition Tangente)

Klaus Staeck war der Herausgeber, mit dem Beuys am häufigsten zusammengearbeitet hat: Er war an der Herstellung von mehr als 200 Multiples beteiligt. Obwohl er eigentlich auf Postkarten spezialisiert war, hat er auch Papierarbeiten in anderen Formaten sowie zahlreiche Multiples mit Objektcharakter herausgegeben.

Die erste Zusammenarbeit zwischen Beuys und Staeck fand 1968 statt. Dabei ging es um Postkarten, die im selben Jahr auf der documenta 4 in Kassel verkauft werden sollten.1 Das Unternehmen verlief zwar nicht besonders erfolgreich, weil es weder viel Aufmerksamkeit einbrachte noch viele Karten verkauft wurden, markierte aber den Beginn einer lang anhaltenden, engen Zusammenarbeit. In den folgenden 15 Jahren gaben sie zusammen über 100 Postkarten-Editionen heraus, zu denen auch Sonderauflagen mit Karten zählten, in denen Materialien wie Filz und PVC verarbeitet wurden, die in Beuys’ Werk eine wichtige Rolle spielten. Einige der Postkarten basierten auf Beuys’ Ideen, eine überwiegende Zahl wurde allerdings durch einen Vorschlag von Klaus Staeck inspiriert. Zusammen mit dem Verleger Gerhard Steidl war Staeck für den Druck und den Vertrieb zuständig.2 Für die Plakate hingegen entwickelte immer Beuys die Ideen, überließ Staeck und Steidl aber die Gestaltung und den Druck des fertigen Motivs.3

Die Multiples, die in den späten 1970er Jahren unter dem Titel Wirtschaftswerte erschienen, wurden ebenfalls von der Edition Staeck herausgegeben. Dabei handelte es sich um abgepackte Lebensmittel, die Beuys signierte, stempelte und beschriftete. Beuys signierte, stempelte und beschriftete sie. Viele dieser Produkte hatte Klaus Staeck aus der DDR mitgebracht, weil sie ihm für die Serie der Wirtschaftswerte passend erschienen.4 Bei einem ihrer Besuche in der DDR erwarben Klaus Staeck und sein Bruder Rolf zahlreiche Emailschüsseln, die dann zur Grundlage des Multiples für Fußwaschung von 1977 wurden.5


  1. Staeck beschreibt dieses Treffen in dem Text „Beuys und das Jahr der Postkarten“, in: Helmut Gold, Margret Baumann und Doris Hensch (Hrsg.), „wer nicht denken will fliegt raus“: Joseph Beuys Postkarten, Sammlung Neuhaus, Heidelberg 1998, S. 15–16. 

  2. Vgl. Staeck ebda., S. 16, und Isabel Siben, „Im Gespräch mit Joseph Beuys“, in: Isabel Siben (Hrsg.), Beuys: Plakate / Beuys: Posters, München 2004, S. 12. 

  3. Siben, ebda., S. 13. 

  4. Klaus und Rolf Staeck in einem Gespräch mit Luke Smythe am 13. März 2014. 

  5. Ebda.